Das Festival wird wegen der Covid-Pandemie auf Juli 2022 verschoben

32. Internationales MusikFestival von Colmar
 Juli 2022

Die 32. Ausgabe des Internationalen Festivals von Colmar würdigt ein Denkmal der Musik, den israelischen Geiger Ivry GITLIS
Über sein musikalisches Genie hinaus und als letzter Großer einer Generation war Ivry GITLIS ein herausragender Geiger und eine große Inspirationsquelle. Er bleibt das Symbol einer neuen, freieren Art der Verbreitung klassischer Musik und hat jahrelang dazu beigetragen, diese zu popularisieren.
Ivry GITLIS wird vom 3 bis 14. Juli 2021 das Aushängeschild von Colmar sein

All dies unter der Leitung von Vladimir SPIVAKOV mit dem Russiche Nationalphilharmonie..

Künstlerischer Leiter: Vladimir Spivakov

Hommage an

Ivry Gitlis

Leitartikel von Vladimir Spivakov, dem künstlerischen Leiter des Festivals

 

„... am Leben sein, sich bewusst sein, hören, wissen, fühlen, sehen, lieben, manchmal ein bisschen geliebt werden.“

Ivry Gitlis

 

Im Leben machen wir wichtige Begegnungen, die uns überwältigen und mit der Zeit unvergesslich werden. So geschah es mir 1965 in Paris mit Ivry Gitlis, nachdem ich beim Marguerite-Long-Jacques-Thibaud-Wettbewerb einen Preis erhalten hatte. Gitlis lud mich zu sich ein. Da er viele Sprachen beherrschte, fand unser Gespräch in Russisch statt, was eigenartig war. Für einen jungen Mann (ich war erst 20 Jahre alt) war es absolut beeindruckend, von einem solchen Maestro, der damals schon als Legende galt, ermutigt zu werden, und das war das Erste, was er tat. Ivry kommentierte mein Spiel mit Worten, die voll des Lobes waren. Dann nahm er plötzlich seine Geige und begann, mir Bartók vorzuspielen. Sein Spiel entzückte und bezauberte mich, und zwar nicht nur durch seine Qualität und exzellente Technik, sondern auch durch seine außerordentlich freie Interpretation, die den großen Meistern vorbehalten ist. Diese Begegnung ist eine unvergessliche Erinnerung. Als ich heute daran zurückdachte, beschloss ich, beim Festival die erste Rhapsodie von Bela Bartók zu spielen …

In der Folgezeit konnten wir politisch bedingt nicht mehr aus Russland ausreisen. Dennoch schafften es die Studenten des Konservatoriums, Aufnahmen auszutauschen. Als dann die Aufnahme von Elgars kleinem Werk La Capricieuse erschien und wir sie mit den Versionen großer Geiger verglichen, die sie zu dieser Zeit oft spielten, konnten wir nicht anders, als die Überlegenheit von Ivrys Spiel zu erkennen!

Was war daran so besonders?

Als Antwort auf diese Frage möchte ich ein Gleichnis erzählen. In Japan lebte ein Großmeister der Teezeremonie, der einen Sohn hatte. Er unterwies ihn in allen Regeln der Zeremonie und sagte ihm eines Tages, als er schon alt war: „Jetzt möchte ich sehen, was du gelernt hast.“ Der Sohn bereitete das passende Geschirr nach den Regeln der Teezeremonie vor, bestreute den Weg zum Haus mit Sand und rief seinen Vater. Der Vater schaute und sagte: „Es ist alles richtig, aber es fehlt etwas.“ Er trat aus dem Haus heraus, ging zu einem Baum und schüttelte ihn. Ein einziges rotes Blatt fiel auf den Weg. „Jetzt ist es Kunst.“

Dieses Gleichnis kann perfekt auf Ivry Gitlis übertragen werden: In allen seinen Interpretationen der verschiedenen Werke ist das „rote Blatt“ zu hören.

Ich habe das Programm des Festivals so gestaltet, wie Marc Chagall seine Kirchenfenster entwarf: mit vielen verschiedenen kleinen Teilen, die den Eindruck eines Ganzen erzeugen. Ich habe einige der besten Geiger unserer Zeit eingeladen und für das Programm Werke ausgewählt, die Gitlis auf seine ganz besondere Art interpretiert hatte.

So wird Viktoria Mullova das Konzert von Sibelius spielen, mit dem Ivry in den Vereinigten Staaten debütiert hatte. In seiner Autobiografie schrieb er: „Um Sibelius zu spielen, muss man an die hunderten Seen von Karelien und die Weite dieses Landes denken. Die Weite reicht bis zu den Steppen meiner Mutter, wo man in der Ferne russische Stimmen hört, die crescendo näherkommen und diminuendo wieder verschwinden.

 

Es wird auch Beethoven gespielt, den Ivry Gitlis so sehr liebte, seine Werke der Kammermusik und seine Symphonien, und der Solist Vadim Gluzman wird sein Violinkonzert spielen. Das Konzert von Tschaikowski, das Ivry Gitlis beim Finale des Long-Thibaud-Wettbewerbs gespielt hatte, wird von Serguei Dogadin interpretiert, einem Preisträger des Tschaikowski-Wettbewerbs. Mendelssohns Konzert wird von Maxim Vengerov und Bruchs 1. Violinkonzert von Renaud Capuçon gespielt, der im Alter von 16 Jahren Meisterkurse mit Ivry Gitlis belegt hatte. Der Solist des Violinkonzerts Nr. 3 von Saint-Saëns wird Timur Pirverdiev sein, der im Russischen Nationalen Philharmonie-Orchester die erste Geige spielt und ein Teilnehmer von Gitlis' Meisterkursen in Israel gewesen war.

Das Festivalprogramm umfasst auch Werke der Komponisten Brahms und Bartók, die für Gitlis' Kunst sehr wichtig waren. Clara Jumi-Kang und Alexander Ramm „kreuzen die Bögen“ (um einen Ausdruck Ivrys zu verwenden) bei Brahms Doppelkonzert, Daniel Lozakovich wird Solist von Brahms Violinkonzert sein, und Marie Dueñas wird Werke von Chausson, Ravel und Saint-Saëns interpretieren.

Das Programm der Kammermusikkonzerte zeigt außerdem das vielfältige Repertoire Ivry Gitlis’, das von Bach und Mozart bis hin zu Klezmermusik reichte.

Ich selbst werde das 32. Festival von Colmar mit Bergs Konzert „Dem Andenken eines Engels“ eröffnen, für das Ivry Gitlis den Grand Prix du Disque erhalten hatte.

Vor einiger Zeit war ich Juryleiter beim Wettbewerb Violin Masters in Monaco. Im dritten Durchgang kam der bekannte französische Schriftsteller Éric-Emmanuel Schmitt, der von den Organisatoren als unabhängiger Experte eingeladen worden war. Er nahm an der Abstimmung teil und unterstützte meine Wahl und Art der Bewertung voll und ganz. Beim Galadinner saßen wir nebeneinander, und Schmitt erzählte mir begeistert, er werde eine Novelle mit dem Namen „Dem Andenken eines Engels“ schreiben (wofür er bald darauf mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet werden sollte). Ich fragte ihn, ob dieser Titel einen Zusammenhang mit Alban Bergs gleichnamigem Konzert habe, was er bejahte. James Conlon, damals Leiter der Pariser Oper, und ich haben dieses Konzert in Spanien und Deutschland gespielt.

Als ich die Novelle las, fand ich dort diese Worte, die ich mit Ihnen teilen möchte: „Die Noten des Konzerts ‚Dem Andenken eines Engels‘ stiegen zwischen den Bäumen hoch in das Azurblau, in den tropischen Dunst, zum Trillern der Vögel, in die Leichtigkeit der Wolken. Axel führte das Stück nicht aus, sondern lebte es: Die Melodie erfand er, die Stimmungswechsel, schnelleren und langsameren Tempi kamen von ihm und rissen das Orchester mit, sodass er von Sekunde zu Sekunde mit den Fingern einen Gesang formte, um seine Gedanken auszudrücken. […] Er meditierte mit der Geige, mit der strahlenden Autorität des Inspirierten, verstärkte den heilenden Effekt der Musik und weckte so beim Zuhörer die spirituelle Dimension, die ihn zum Besseren ändert.“

Meiner Meinung nach ist dieses Porträt des inspirierten Artisten eine perfekte Anspielung auf Ivry Gitlis.

 

Vladimir Spivakov

A PROPOS DU FESTIVAL INTERNATIONAL DE COLMAR

Direction artistique : Vladimir Spivakov

Chaque année, le choix d’un thème porteur assure au Festival un concept pérenne. Ainsi l’hommage annuel rendu à un grand musicien devient le fil conducteur, permet d’aborder tous les répertoires et ouvre de nouveaux horizons : hommage à un instrument, à un pays, à une culture… Cette approche confère à l’ensemble de la programmation musicale une unité et une cohérence artistique qui lui permet d’accueillir les plus grands musiciens de la scène classique actuelle et un public fidèle.

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Président : Francis Hirn
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Le Festival International de Colmar est organisé par l'Office de Tourisme de Colmar